Der Lavendel als Parfüm

Der herrliche Duft im Mittelalter

Schon ein Rezept auf dem 14 Jahrhundert zeigt, daß der Lavendel bereits im Mittelalter als beliebter Wäscheduft Verwendung fand. Das Rezept lautete: "Drei Pfund Rosenwasser mit Nelken, Zimt, Sandel und zwei Hand voll Lavendelblüten sollen ein Monat lang in der Sonnen stehen, in einem wohlverschlossnen Glase, und dann destillieret werden in einer Bainmarie.
Es ist wunderbar angenehm im Bette und wird der ganze Platz einen köstlichen Wohlgeruch haben."

Naja, heutzutage geht es einfacher, man verwendet im Zweifelsfall Weichspüler mit Lavendelduft, besser natürlich ist etwas ätherisches Öl zur Wäsche zuzugeben. Aber an der Beliebtheit dieses Duftes hat sich seit dem nichts geändert. Da es im Mittelalter nicht allzu viel Auswahl unter wohlriechenden und günstigen Duftstoffen gab, erfuhr der Lavendel bereits damals eine große Beliebtheit unter allen Bevölkerungsschichten.

Besonders beliebt war natürlich das ätherische Duftöl, das man schon damals aus den Lavendelblüten herstellte. Allerdings war das Öl nicht mehr ganz so günstig, wie man sich vielleicht vorstellen kann, es war den eher wohlbetuchteren Menschen vorbehalten.

Und schon damals erkannte man wohl die Notwendigkeit, der regen Nachfrage durch geplanten Anbau Herr zu werden: In der französischen Provence und in England legte man große Plantagen an, die man bis heute noch besuchen kann und die immer noch zu den wichtigsten in Europa gehören.

Man sagt, daß der Heinrich VIII. von England und auch seine Tochter, Elisabeth I., große Anhänger des Lavendelduftes waren.
Elisabeth soll schon als Kind im Schlossgarten gerne zwischen den Lavendelblüten gespielt haben und so ihre Liebe zu diesem Duft gefunden haben. Später, als Königin von England, liebte sie Lavendeltee, den sie auch gegen die Migräneanfälle, die sie plagten, trank. Und auch ihr Volk motivierte sie, Lavendel in ihren Gärten anzubauen und die heilende Wirkung auf Körper und Geist zu nutzen.

Und es gab noch eine englische Königin, die den Lavendel besonders mochte: Königin Viktoria, die im 19. in England herrschte. Man sagt von ihr, daß sie alle ihre Gemächer mit dem Duft des Lavendels besprühen lies.  So wie die Königin war auch das Volk: Die Engländer liebten den Lavendel! Überall sah und roch man den Lavendel, was aus unserer heutigen Sicht sogar zur Namensgebung "Lavendelepoche" führte.

Die jungen Damen schmückten ihr Dekolletee mit kleinen Lavendelkissen, auf daß die Herren auf sie aufmerksam werden sollten. Oder sie setzte der Tinte, mit der man Liebesbriefe schrieb, Lavendelöl bei.

Die feinere Gesellschaft überschüttete sich geradezu mit dem Lavendelduft, waschen war ja eher nicht so regelmäßig angesagt, man puderte und parfümierte sich lieber.

Industrielle Verarbeitung des Lavendels

Da immer mehr Lavendel verwendet wurde, und da im 18. Jahrhundert die industrielle Revolution in ihren Anfängen war, verwundert es nicht, daß die Verarbeitung des Lavendels bald in industrieller Form geschah. So bildete sich im englischen Mitcham, inzwischen ein Vorort von London, das Zentrum der Lavendelverarbeitung. Man stellte Öle, Seifen, Parfüms und Waschlotionen für die ganze Welt her.
Aufgrund des damals schon hohen Produktionsstandarts galt englisches Lavendelöl als das beste auf der ganzen Welt.

Die großen Mengen, die nun hergestellt werden konnten, führten natürlich zu einem günstigeren Preis und dadurch zu einer noch größeren Verbreitung und Beliebtheit. Der Lavendelduft war allgegenwärtig.


Im Jahre 1710 kreierte man in Glockengasse 4711 in Köln ein ganz besonderes Duftwässerchen, das bis heute noch bekannt ist: Das Kölnisch Wasser. In ihm sind neben dem Lavendel z.B. auch Bergamotte, Orangenblüten, Rosmarin, Zitrone und Zimt enthalten.

Das genaue Rezept ist natürlich streng geheim, das Eau de Cologne aber weltberühmt. Sogar der berühmte französische Feldherr Napoleon soll verrückt danach gewesen sein, man sagt, er übergoss sich damit und er soll es sogar getrunken haben ... Na denn Prost!
Aber immerhin: Da Napoleon ja einen gewissen Charme besaß, sagte man dem Eau de Cologne eine gewisse Anziehungskraft auf Frauen nach. Na wenn's half...


Und wie es leider so ist: Wenn man etwas andauernd um sich herum hat, verliert man es etwas aus den Augen. So auch den Lavendel, der zwar immer da war, der aber in den aufregenden Neuerungen der 20. Jahrhunderts etwas verblasste.

Nur einige wenige Parfumhersteller und Chemiker befassten sich noch damit, zum Glück, wie man inzwischen weiß. So wird berichtet, daß ein Chemiker bei seiner Arbeit die Hand verbrannte und sie daraufhin, wohl eher aus Reflex, in Lavendelöl tauchte. In den folgenden Tagen beobachtete er, daß die Verwundung auffällig schnell verheilte, was natürlich sein Interesse weckte. Er stellte weitere Untersuchungen an und beschrieb daraufhin die antiseptischen Eigenschaften des Lavendelöls. Der Lavendel geriet wieder in den Blickpunkt der Medizin.

In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts erlebte der Lavendel eine Renaissance, der Duft war wieder "in". Lavendel ist wieder modern - Auch wenn er eigentlich nie unmodern war. Und auch die Parfumindustrie greift wieder gerne darauf zu und stellt Düfte aus dem wohlriechenden Lavendel her.

Lavendel gilt für Reinheit und Wärme, er beruhigt unsere Nerven. Oder wie sagte Hildegard von Bingen: Er wäscht Körper und Seele rein, er vertreibt böse Geister und unreine Gedanken, auch die der unsrigen Zeit,  und er gibt uns Kraft von innen heraus. Er schütz uns und klärt unsere Gedanken.

Der Lavendel - Schon so alt und trotzdem immer wieder neu!

 

 

 

 

 

In England war der Lavendel besonders beliebt.

Unter anderem trugen Frauen
kleine Beutelchen mit Lavendel unter oder in ihren Röcken.

Auch hängte man die duftenden Zweige in den Häusern und Wohräumen auf, um die Luft zu reinigen.

 

 

 

 

Man kannte schon damals die Wirkung gegen Kopfschmerzen und Migräne. Auch die entspannende und schlaffördernde Wirkung wurde geschätzt. Dazu legte man kleine Duftkissen neben das Bett.

 

 

 

 

Der Duft des Lavendels hilft gegen Stress und stärkt die Nerven, zugleich kühlt er uns und beruhigt uns.