Geschichtliches und Sagen um den Lavendel

Um den Lavendel ranken sich viele Geschichten und Sagen, was auch verständlich ist, ist er doch seit Jahrtausenden dem Menschen bekannt. Seinen Namen bekam der Lavendel vom lateinischen Wort "lavare", was übersetzt so viel wie waschen bedeutet. Man verwendete den Lavendel als Badezusatz oder zum Waschen.

So ist zum Beispiel bekannt, dass schon im alten Ägypten die Toten mit dem ätherischen Lavendelöl einbalsamiert wurden. Man verwendete das Öl aber auch für Parfüms, denn auch der Ägypter wollte natürlich einen angenehmen Duft verströmen ... Man fand im Grabe des Tut Anch Amun, einem der bekanntesten Pharaonen, wenn nicht sogar DEM bekanntesten Pharao, eine inzwischen über 3000 Jahre alte Salbe, die immer noch den Duft von Lavendel verströmte.

Der Lavendel war aber nicht nur im alten Ägypten bekannt, auch die Menschen im antiken Griechenland verwendeten ihn. Hier wurde er bereits bei Menstruationsbeschwerden, bei Insektenstichen oder bei Nierenbeschwerden eingesetzt.

Die Römer im antiken Rom sahen im Duft des Lavendels etwas Okkultes und verwendeten den Lavendel als Räucherkraut in verschiedenen Zeremonien.
Wesentlich einfacher sahen es die Soldaten im alten Rom: Sie kannten die Heilwirkung des Lavendels und rieben sich vor einer Schlacht mit dem Öl ein. Das sollte vorsorglich bei Verwundungen helfen, zudem schenkte der Duft frischen Mut und Zuversicht.

Auch die Soldaten im ersten Weltkrieg erinnerten sich übrigens an diese Wirkung, denn nicht immer war der Sanitäter nah und genügend Desinfektionsmittel gab es auch nicht - der Lavendel musste wieder helfen...

Eine etwas kuriose Verwendung des Lavendels gab es am Hofe des französischen König Ludwigs XIV: Wenn er eine Dame besonders begehrenswert fand und er sie in seinem Bett haben wollte, so sandte er ihr in Ambra getauchte Lavendelblüten-Ähren zu.
War sie ihm zugeneigt und wollte sie ebenfalls etwas „Spaß“ mit ihm haben, schob sie im Angesicht des Königs eine dieser Ähren in ihren Mund. So viel zu diesem Werbungsritual im 17. Jahrhundert...

Erfolgreich war wohl auch die folgende Anwendung des Lavendels: Man dachte, wenn man seine Wäsche mit Lavendel parfümierte, würden widerborstige Männer schwach werden. Was so wohl auch geklappt haben mag: Im Mittelalter hatte nicht jedermann Seife und Parfüm, die tägliche Körperpflege fiel wahrscheinlich etwas einfacher aus, als wir es in unserer Zeit kennen. Ein lieblicher Duft wie der des Lavendels könnte also wirklich damit zu tun gehabt haben, dass die Damen dann den gewünschten Zuspruch des Geliebten fanden.

Die jungen Damen schmückten ihr Dekolleté auch mit kleinen Lavendelkissen, auf dass die Herren auf sie aufmerksam werden sollten. Oder sie setzten der Tinte, mit der man Liebesbriefe schrieb, Lavendelöl bei.

Lavendel

Der Lavendel war natürlich auch ein besonderes Kraut, wenn es um den Bereich des Okkultismus ging. Besonders im Mittelalter sah man immer und überall das Teufelswerk und die bösen Hexen, die mit ihren negativen Kräften den Menschen schaden wollten.

So verbrannte man den Lavendel zum Beispiel als Opfergabe an die Götter, damit diese milde gestimmt waren.

Aber nicht nur gegen die Pest, auch gegen böse Geister und Dämonen streute man Lavendel auf den Boden. Der Lavendel sollte Unheil abwehren und das Böse fernhalten... Der Duft des Lavendels galt zudem als sicheres Mittel gegen Hexen und sogar gegen den Teufel selbst.
Speziell Hexen verwendeten den Lavendel, der von ihnen Elfenblatt genannt wurde, auch für ihre eigenen Rituale. So wurden zum Beispiel die magischen Utensilien mit einem Lavendelwasser gereinigt. Oder sie gaben zur Sommersonnenwende Lavendel ins Feuer, um Visionen zu bekommen. Tatsächlich dürfte der Lavendelrauch eine Art Trance ausgelöst haben, in der man wohl so manches sah... Aber ganz so abwegig ist das nun auch wieder nicht: Manchmal hilft es tatsächlich weiter, wenn man die konventionellen Gedanken verdrängt und in sich hinein hört. Auch heute noch verwendet man den Lavendel in der Esoterik dafür, innere Klarheit zu erlangen.

Und noch eine esoterische Wirkung für den Lavendel gibt es schon seit langem: Der Lavendel verhilft beim Start in etwas Neues, also zum Beispiel einem Umzug, einer Reise, einer Heirat, oder einer Geburt. Der Lavendel sollte immer zu Beginn eines neuen Abschnittes verwendet werden, denn er gibt neue Kraft und Energie und trägt damit einem guten Gelingen bei.

Wenn man Lavendel bei sich trug, so glaubte man früher auch, Geister sehen zu können.

Tabernaemontanus schrieb über dieses Heilkraut:
„Es ist der Lavendel ein edel köstlich Gewächs, das vor vielen ändern Kräutern den Vorzug hat und zu vielen Gebresten des Leibes kann gebraucht werden. Vornehmlich ist er eine edle Arznei wider alte und kalte Gebresten des Hauptes, des Gehirns und der Nerven, da er selbige stärkt, erquickt und erwärmt, insbesondere, indem man etwas Rosmarin hinzu tut oder Salbei, Zimmetrinden, Nägelein, Muskatnuß, selbes in Wein oder Wasser siedet und davon trinkt."

Für erlahmte Glieder, erlahmte Hände und Füße, nehme man zu gleichen Teilen Lavendel, Salbei und Wacholderbeeren, die man mit Weißwein kocht und die erstarrten Körperteile einreibt.

Gerard: "Es nützt ihnen sehr, dass die Lähmung, wenn sie mit dem destillierten Wasser aus den Lavendelblüten gewaschen werden, […]"

"Die Luft war mit tausend duftenden ausgetretenen aromatischen Kräutern, mit Lavendelfeldern, und mit den hellsten Rosen erröten in Büscheln alles über die Wiesen...“William Cullen Bryant

Izaak Walton sagte einmal: "Ich sehne mich danach in einem Haus, wo die Blätter von Lavendel duften."

Im Laufe der Geschichte hat Lavendel Liebe, Zuneigung, Sauberkeit, Reinheit, Keuschheit, Schutz, Langlebigkeit, Anerkennung und Ausdauer symbolisiert.

Adam und Eva sollen angeblich Lavendel mit aus dem Garten Eden genommen haben, als sie daraus verbannt wurden. Die heilige Jungfrau Maria soll die Kleider des Jesuskindes auf einem Lavendelstrauch getrocknet haben.

Die alten Griechen nannten den Lavendel Nardus, nach der syrischen Stadt Naarda.

Während der Römerzeit wurden Lavendelblumen für 100 Denare pro Pfund gehandelt, was ungefähr so viel war wie ein Monatslohn eines Landarbeiters oder 50 Haarschnitte bei einem Friseur. Wahrscheinlich waren es auch die Römer, die den Lavendel nach England brachten, als sie England eroberten.

Culpeper, 1652: "Das (Lavendelkraut) ist so bekannt, ..., dass es keine Beschreibung bedarf." Tatsächlich war der Lavendel im damaligen England wirklich überall in allen Gärten anzutreffen.
Culpeper empfahl den Lavendel bei Magenschwäche, Darmkoliken, Blockierungen der Leber, verringertem Harnfluss, Kopfschmerz, Herzklopfen, Hinfälligkeit, Schwindel, Lähmungen, Konvulsionen und einem Schlaganfall.

„Reines Wissen und reinen Verstand" bereite der Lavendel, so sagte Hildegard von Bingen.
Hildegard von Bingen sagte auch über den Lavendel: "Der wilde Lavendel ist warm und trocken, und seine Wärme ist gesund. Und wer Lavendel mit Wein kocht oder, wenn er keinen Wein hat, mit Honig und Wasser kocht und so lau oft trinkt, der mildert den Schmerz in der Leber und in der Lunge und die Dämpfigkeit in seiner Brust, und er bereitet sich reines Wissen und einen reinen Verstand.

Der echte Lavendel ist warm und trocken, weil er wenig Saft hat. Und er nützt dem Menschen nicht zum Essen, hat aber doch einen starken Duft. Und wenn der Mensch, der viele Läuse hat, oft am Lavendel riecht, sterben die Läuse an ihm. Und sein Duft macht die Augen klar."

Die heilige Hildegard von Bingen sah im Lavendel auch ein Heilkraut gegen die Unkeuschheit, sie nannte ihn auch eine Muttergottespflanze. Junge Damen trugen damals zum Beispiel kleine Lavendelbündel bei sich, um sich ihre Jungfräulichkeit zu schützen. Ob es half weiß man nicht, inzwischen weiß man aber, dass der Lavendel anscheinend wirklich eine „abtörnende“ Wirkung haben soll.

Unruhigen Babys, die von bösen Mächten geplagt wurden und deshalb im Bett schrien, legte man Lavendel unter ihre Wiege, damit sie ihre Ruhe fanden. Bei der beruhigenden Wirkung des Lavendels wird das wohl auch funktioniert haben.

Oder man gab Hühnern im Mai Lavendel ins Futter, damit sie das ganze Jahr gesund blieben.

Weil der Lavendel für die Keuschheit stand und so Unkeuschheit vertreiben konnte, durfte er übrigens auch nur von Männern angepflanzt und gepflückt werden. Denn man dachte damals, Männer hatten diese Wirkung wohl nötiger als Frauen... Naja, wenigstens taten sie dabei etwas für ihre Gesundheit...

Lavendel an sich hat ja auch etwas Romantisches an sich, wie man sofort sehen und riechen kann, er steht daher eher für Romantik als für Sex. Sein Duft sollte auch gegen Liebeskummer helfen oder als Zusatz in der Tinte für Liebesbriefe, um den Angebeteten näher an sich her oder auch zurück zu bringen. Man gab (oder gibt) dazu einfach einige Tropfen ätherisches Lavendelöl in die Tinte hinein und schreibt damit einen Liebesbrief.





Eine weitere nette Idee, die aber nicht unbedingt funktionieren muss, ist die folgende: Schreiben Sie Ihre Wünsche in einen Brief und reiben Sie ihn mit Lavendelblüten ein. So sollen sich alle Wünsche erfüllen. Wie gesagt: Muss aber nicht unbedingt funktionieren...
Was dafür aber sicher hilft ist das kleine Duftsäckchen neben dem Bett: Legen Sie sich ein Lavendel-Duftkissen neben Ihr Bett, dann finden Sie leichter in den Schlaf. Sie können den Lavendel dazu auch mit Hopfen kombinieren.

Ein solches Säckchen kann im Kleiderschrank übrigens auch gegen Motten helfen.
Die heilige Hildegard empfahl den Lavendel bereits schon zu ihrer Zeit gegen Läuse, aber nur äußerlich, in Form von Waschungen. Innerlich sah sie für den Lavendel keine Verwendung, zumindest nicht in purer Form, also als Tee oder als Öl.

In Irland wurde die Hochzeitskleidung oftmals mit Lavendel parfümiert, ein Strumpfband, hergestellt aus grünem Lavendel, galt einer Braut als Glücksbringer.
Im antiken Griechenland schmückte man Jungfrauen, die den Göttern geopfert werden sollten, mit Lavendel-Blüten.
Der 46. Hochzeitstag wird auch Marmor- oder Lavendelhochzeit genannt.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Lavendel, Myrt' und Thymian, das wächst in meinem Garten"

singt der Chor im Freischütz von Carl Maria von Weber.